Arbeitslosenquote in Niederösterreich weiterhin unter Bundesschnitt
02.11.2026 · Quelle: OTS / Land Niederösterreich
Niederösterreich steht Ende Oktober 2026 am Arbeitsmarkt etwas besser da als Österreich insgesamt: Die Arbeitslosenquote lag mit 6,6 Prozent unter dem Bundesschnitt von 7,3 Prozent. Die regionale Aussendung des Landes zeigt jedoch deutliche Verschiebungen zwischen Gruppen und Branchen – und eine stark steigende Langzeitarbeitslosigkeit.
Nach der Mitteilung des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung waren rund 662.000 Menschen unselbständig beschäftigt, ein leichtes Minus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei entwickelten sich die Geschlechter gegenläufig: Die Beschäftigung der Frauen (298.000) stieg um 0,4 Prozent, jene der Männer (364.000) sank um 0,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,6 Prozent und damit unter dem österreichweiten Wert von 7,3 Prozent; gegenüber dem Vorjahr erhöhte sie sich allerdings um 0,4 Prozentpunkte, während der Bundesschnitt nur um 0,1 Prozentpunkte zulegte.
Beim AMS Niederösterreich waren 46.507 Personen arbeitslos vorgemerkt, ein Anstieg um 6,4 Prozent. Inklusive Schulungsteilnehmenden suchten 56.859 Personen Arbeit (+5,2 Prozent). Nach Gruppen betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit bei Frauen um 9,6 Prozent (+1.963 Personen), bei Männern um 3,7 Prozent (+853), bei Personen ab 50 Jahren um 8,4 Prozent (+1.326), im Haupterwerbsalter um 5,5 Prozent (+1.285) und bei Jugendlichen bis 24 Jahre um 4,4 Prozent auf 4.886 Personen. Gleichzeitig standen 1.102 offene Lehrstellen zur Verfügung, ein Plus von 4,4 Prozent.
Nach Branchen fiel der Anstieg in der Herstellung von Waren (+5,5 Prozent, +266), im Bauwesen (+3,0 Prozent, +89) sowie in Beherbergung und Gastronomie (+2,7 Prozent, +104) unterdurchschnittlich aus. Überdurchschnittlich legte die Arbeitslosigkeit dagegen im Gesundheits- und Sozialwesen (+17,0 Prozent, +247), in der öffentlichen Verwaltung (+14,2 Prozent, +304) und im Handel (+8,4 Prozent, +683) zu. Bemerkenswert ist, dass der Anstieg im Gesundheits- und Sozialwesen mit einem starken Beschäftigungswachstum einhergeht; kurze Phasen der Arbeitslosigkeit bei Jobwechseln spielen dort eine wesentliche Rolle.
Bei den offenen Stellen zeigt sich die schwache Konjunktur: Insgesamt waren 11.875 Stellen beim AMS NÖ gemeldet, ein Rückgang um 5,4 Prozent. Starke Rückgänge gab es im Handel (−20,3 Prozent, −512), im Gesundheits- und Sozialwesen (−17,7 Prozent, −221) und in der öffentlichen Verwaltung (−17,0 Prozent, −119). Den einzigen deutlichen Zuwachs verzeichneten die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, etwa Arbeitskräfteüberlassung und Gebäudebetreuung (+21,7 Prozent, +596).
Im Mittelpunkt der Aussendung steht die Langzeitarbeitslosigkeit: Aktuell sind 8.016 Personen als langzeitarbeitslos vorgemerkt, ein Anstieg um 27,1 Prozent und damit stärker als österreichweit (+21,5 Prozent). Bis August 2026 hatte der Anstieg in Niederösterreich 21 Monate in Folge unter dem Bundesschnitt gelegen; eine Trendwende sieht AMS-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern derzeit nicht. Rund 48 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben gesundheitliche Probleme, für die der Wiedereinstieg oft besonders lange dauert. Zugleich fanden 2.354 Personen, die bereits ein Jahr lang vom AMS betreut wurden, heuer wieder eine Beschäftigung, darunter 533 mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen.
Als wichtigsten Hebel nennen die Verantwortlichen gezielte Qualifizierung und Weiterbildung. Arbeitsmarkt-Landesrätin Susanne Rosenkranz betont, dass dies entscheidend sei, damit Menschen nachhaltig in Beschäftigung kommen und Arbeitslosigkeit beendet wird, bevor Langzeitarbeitslosigkeit entsteht. Sandra Kern warnt vor einem raschen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit angesichts der schwachen Konjunktur und kündigt an, alle Mittel der intensiven Vermittlung und wirksamen Förderung zu mobilisieren – besonders dort, wo viele Menschen betroffen sind.
Für Betriebe in der Region bedeutet die Lage, dass sich Fachkräftemangel und steigende Arbeitslosigkeit je nach Branche gleichzeitig zeigen. Gerade wachsende Bereiche wie das Gesundheits- und Sozialwesen brauchen verlässliche Strukturen für Dienstplanung, Einarbeitung und Qualifizierung, um neue Beschäftigte rasch produktiv einzusetzen und bestehende Teams nicht zu überlasten. Die ausgeprägten Unterschiede zwischen den Branchen und zwischen den Geschlechtern unterstreichen zudem, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung ist: Pauschale Durchschnittswerte verdecken, dass einzelne Bereiche händeringend Personal suchen, während in anderen die Arbeitslosigkeit steigt. Eine datenbasierte, standortgenaue Personal- und Einsatzplanung hilft Betrieben, auf diese regional sehr unterschiedliche Lage angemessen zu reagieren und Qualifizierung dort anzusetzen, wo sie tatsächlich gebraucht wird.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (OTS / Land Niederösterreich).