Arbeitslosigkeit im Oktober 2026: Die AMS-Zahlen
02.11.2026 · Quelle: News.at
Im Oktober 2026 ist die Arbeitslosigkeit in Österreich nur noch leicht gestiegen: Ende des Monats waren 389.941 Menschen arbeitslos oder in Schulung gemeldet. Der Anstieg verlangsamt sich spürbar, fällt aber je nach Bundesland, Geschlecht und Branche sehr unterschiedlich aus – mit einem auffälligen Sprung bei der Langzeitarbeitslosigkeit.
Nach den Daten des Arbeits- und Sozialministeriums und des Arbeitsmarktservice (AMS) waren Ende Oktober 2026 insgesamt 389.941 Personen arbeitslos oder in AMS-Schulung – das sind 1.823 Menschen oder 0,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von ihnen waren 314.499 arbeitslos vorgemerkt (+1,3 Prozent), die Differenz von rund 75.400 Personen entfällt auf Schulungsteilnehmende. Die nationale Arbeitslosenquote stieg leicht auf 7,3 Prozent.
Die politischen Verantwortlichen werteten die Zahlen vorsichtig optimistisch. Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) sprach von einer ermutigenden Entwicklung, warnte aber davor, bereits von einer Trendwende zu reden. AMS-Vorständin Petra Draxl erklärte, der leichte Konjunkturaufschwung reiche noch nicht aus, um die Arbeitslosigkeit insgesamt zu senken.
Regional verlief die Entwicklung sehr uneinheitlich. Rückgänge gab es nur in Wien (−2,8 Prozent) und Kärnten (−1,1 Prozent). Den stärksten Anstieg verzeichneten Niederösterreich (+5,2 Prozent) und die Steiermark (+4,5 Prozent); Tirol, Burgenland, Vorarlberg, Salzburg und Oberösterreich lagen mit Zuwächsen zwischen 1,1 und 2,3 Prozent dazwischen. In Niederösterreich blieb die Quote mit 6,6 Prozent zwar unter dem Bundesschnitt, lag aber 0,4 Prozentpunkte über dem Vorjahr, und die Langzeitarbeitslosigkeit stieg dort um 27,1 Prozent.
Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Geschlechtern: Die Arbeitslosigkeit bei Frauen stieg um 4,3 Prozent, bei Männern sank sie um 1,3 Prozent. Als Grund nennt der Bericht Branchen mit hohem Frauenanteil, in denen die Arbeitslosigkeit zunahm, vor allem das Gesundheitswesen und der Handel. In Kärnten führt das AMS den Anstieg bei Frauen zwischen 60 und 65 Jahren auf die schrittweise Anhebung des Pensionsantrittsalters zurück. Die Jugendarbeitslosigkeit stagnierte, während die Zahl der Lehrstellensuchenden um 12,6 Prozent zunahm; Rückgänge gab es im Bau, im Tourismus und in der Arbeitskräfteüberlassung.
Als zunehmendes Problem gilt die Langzeitarbeitslosigkeit: 104.441 Menschen sind länger als ein Jahr beim AMS vorgemerkt, ein Plus von 10,5 Prozent, was etwa einem Drittel aller Betroffenen entspricht. Gleichzeitig sank die Zahl der sofort verfügbaren offenen Stellen auf 73.733 (−3,4 Prozent); rechnerisch kommen damit mehr als vier Arbeitslose auf eine offene Stelle. Das Verhältnis zeigt, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt trotz Fachkräftemangels in manchen Bereichen insgesamt eingetrübt hat.
Für die wirtschaftliche Einordnung verweist der Bericht auf die Wachstumsprognosen der Institute: WIFO erwartet für 2026 ein Plus von 0,9 Prozent, das IHS 0,8 Prozent. Im europäischen Vergleich lag Österreich nach der international vergleichbaren Eurostat-Methode im September bei 6,3 Prozent (Vorjahr 5,5 Prozent) und damit weiter unter dem Wert der Eurozone von 6,5 Prozent – der Abstand ist allerdings kleiner geworden.
Als Hauptfaktor hinter der Entwicklung gilt die schwache Konjunktur, deren leichter Aufschwung bislang nur einzelne Gruppen erreicht. Für Personalverantwortliche in Österreich bedeutet das: Der Arbeitsmarkt bleibt angespannt und zweigeteilt. Während in manchen Branchen und Regionen Fachkräfte fehlen, steigt anderswo die Arbeitslosigkeit – eine Konstellation, in der die effiziente Steuerung der eigenen Belegschaft und eine vorausschauende Personalplanung an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig zeigt die steigende Langzeitarbeitslosigkeit, dass einmal verlorene Beschäftigung nur schwer wieder aufgebaut wird – ein Argument dafür, bestehende Arbeitsverhältnisse zu stabilisieren, etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle, die Auftragsschwankungen abfedern, statt sofort Personal abzubauen. Für Personalbüros heißt das konkret, Überstunden, Zeitguthaben und Auslastung laufend im Blick zu behalten, um in konjunkturell unsicheren Zeiten sowohl Engpässe als auch Leerläufe frühzeitig zu erkennen und auszugleichen. Die Zahlen sind damit mehr als eine Momentaufnahme der Konjunktur: Sie erinnern daran, dass Beschäftigung in einem schwierigen Umfeld ein Wert ist, den es durch kluge Arbeitszeitgestaltung und faire Bedingungen zu sichern gilt.
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