Diese Beschäftigten haben die höchsten Fehlzeiten
09.01.2025 · Quelle: FAZ
Berichte darüber, welche Beschäftigten die höchsten Fehlzeiten aufweisen, finden zuverlässig ein großes Publikum. Sie vergleichen Branchen, Altersgruppen, Tätigkeitsfelder oder Regionen und liefern griffige Ranglisten. Für Arbeitgeber sind solche Auswertungen ein interessanter Spiegel, doch sie bergen auch eine Gefahr: Wer seine Personalentscheidungen an fremden Durchschnitten ausrichtet, statt die eigene Lage zu kennen, steuert leicht in die Irre. Der wahre Wert liegt nicht im Vergleich mit anderen, sondern im genauen Verständnis der Fehlzeiten im eigenen Betrieb.
Zunächst lohnt ein Blick darauf, warum Fehlzeiten überhaupt so stark variieren. Sie sind das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels. Die Art der Tätigkeit spielt eine große Rolle: Körperlich fordernde Arbeit führt zu anderen Belastungen als eine überwiegend sitzende. Hinzu kommen psychische Beanspruchung, die Altersstruktur der Belegschaft, saisonale Infektionswellen und nicht zuletzt die Qualität von Führung und Arbeitsklima.
Schon diese Aufzählung zeigt, warum pauschale Aussagen über bestimmte Gruppen mit Vorsicht zu betrachten sind. Eine Rangliste beschreibt Mittelwerte über sehr unterschiedliche Betriebe hinweg. Sie kann Tendenzen aufzeigen, sagt aber kaum etwas darüber aus, wie es im konkreten Unternehmen aussieht. Zwei Betriebe derselben Branche können völlig unterschiedliche Fehlzeitenprofile haben.
Gefährlich wird es, wenn solche Durchschnitte zu vorschnellen Urteilen über einzelne Beschäftigte oder Gruppen führen. Das ist nicht nur sachlich oft falsch, sondern kann auch das Betriebsklima beschädigen und Misstrauen säen. Eine Personalpolitik, die auf Schlagzeilen statt auf eigenen Daten beruht, untergräbt am Ende genau das Vertrauen, das niedrige Fehlzeiten begünstigt.
Deutlich produktiver ist der Blick nach innen. Die zentrale Frage lautet nicht, wie der eigene Betrieb im bundesweiten Vergleich dasteht, sondern wie sich die eigenen Fehlzeiten tatsächlich zusammensetzen. Erst diese Analyse macht handlungsfähig, denn unterschiedliche Muster verlangen unterschiedliche Antworten.
Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal ist die Struktur der Abwesenheiten. Setzen sich die Fehlzeiten überwiegend aus wenigen langwierigen Erkrankungen zusammen, so handelt es sich oft um individuelle Schicksale, die persönliche Lösungen und gegebenenfalls eine sorgfältig begleitete Rückkehr erfordern. Solche Fälle lassen sich kaum durch allgemeine Maßnahmen beeinflussen.
Ganz anders verhält es sich, wenn viele kurze Abwesenheiten das Bild prägen. Eine Häufung von Kurzerkrankungen kann ein Frühwarnsignal sein. Sie kann auf hohe Belastung, auf Unzufriedenheit, auf Konflikte oder auf organisatorische Probleme hindeuten. Hier liegt oft ein echter Gestaltungsspielraum für den Betrieb, der sich nutzen lässt, sobald die Ursachen verstanden sind.
Voraussetzung für all das ist eine verlässliche, vollständige Erfassung der Abwesenheiten. Werden Krankheitstage nur sporadisch notiert, über getrennte Systeme verstreut oder in Excel-Listen mit unklarer Pflege geführt, entsteht ein verzerrtes Bild. Auf einer solchen Grundlage lässt sich weder eine Häufung erkennen noch eine Maßnahme rechtfertigen.
Eine durchgängige digitale Zeiterfassung verändert diese Ausgangslage grundlegend. Sie trägt Krankheits- und Urlaubstage automatisch ins Kalendarium ein, hält die tatsächliche Dauer von Abwesenheiten fest und erlaubt Auswertungen über frei wählbare Zeiträume. Personalverantwortliche müssen nicht länger Daten aus verschiedenen Quellen zusammensuchen, sondern arbeiten mit einer einheitlichen, belastbaren Basis.
Mit solchen Auswertungen werden Muster sichtbar, die in Einzelmeldungen untergehen. Ob sich Kurzabwesenheiten in bestimmten Bereichen, zu bestimmten Zeiten oder unter bestimmten Bedingungen häufen, lässt sich erkennen und einordnen. Damit verlagert sich die Diskussion von Vermutungen hin zu nachprüfbaren Fakten.
Diese Faktenbasis ist zugleich die Voraussetzung für faire Maßnahmen. Ein Rückkehrgespräch etwa entfaltet seine positive Wirkung nur, wenn es auf korrekten Zahlen beruht und als Angebot verstanden wird, nicht als Vorwurf. Wer mit verlässlichen Daten in ein solches Gespräch geht, signalisiert Ernsthaftigkeit und Wertschätzung zugleich.
Wichtig bleibt der verantwortungsvolle Umgang mit den erhobenen Informationen. Fehlzeitendaten betreffen sensible Bereiche und sollten ausschließlich zu legitimen betrieblichen Zwecken, sparsam und transparent genutzt werden. Eine gute Lösung unterstützt diesen Umgang, indem sie Zugriffe regelt und nur die notwendigen Informationen bereitstellt.
Fazit: Die Frage, welche Beschäftigten anderswo die höchsten Fehlzeiten haben, ist eine interessante Randnotiz. Für den eigenen Betrieb zählt etwas anderes: ein klares, datengestütztes Verständnis der eigenen Situation. Wer Abwesenheiten verlässlich erfasst, ihre Struktur versteht und fair darauf reagiert, kann frühzeitig handeln, Ursachen angehen und ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Fehlzeiten gar nicht erst zum Dauerthema werden.
Redaktioneller Überblick zu „Diese Beschäftigten haben die höchsten Fehlzeiten“ in eigenen Worten – keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (FAZ).