Hoher Krankenstand: Bonus für alle, die weniger fehlen?
04.12.2024 · Quelle: Ndr
Manche Betriebe erwägen finanzielle Anreize für Beschäftigte, die selten fehlen. Ein Anwesenheitsbonus klingt einfach, wirft aber Fragen nach Fairness, Nebenwirkungen und sinnvoller Ausgestaltung auf. Wer über solche Modelle nachdenkt, sollte Chancen und Risiken nüchtern abwägen.
Die Idee hinter einem Anwesenheitsbonus ist nachvollziehbar: Wer seltener ausfällt, soll belohnt werden, und der Krankenstand soll sinken. Doch die Wirkung solcher Anreize ist nicht eindeutig. Krankheit ist in den meisten Fällen nicht steuerbar, weshalb ein Bonus die eigentlichen Ursachen von Fehlzeiten oft nicht erreicht.
Ein zentrales Risiko ist, dass Beschäftigte krank zur Arbeit kommen, um den Bonus nicht zu verlieren. Dieses sogenannte Präsentismus-Phänomen kann die Gesundheit verschlechtern, Ansteckungen begünstigen und am Ende mehr Ausfälle erzeugen, als es verhindert. Auch das Empfinden von Ungerechtigkeit gegenüber chronisch Erkrankten spielt eine Rolle.
Sinnvoller als reine Anwesenheitsprämien sind häufig Maßnahmen, die an den Ursachen ansetzen: gute Arbeitsbedingungen, eine vernünftige Arbeitszeitgestaltung und eine wertschätzende Führung. Wer dennoch über Anreize nachdenkt, sollte sie so gestalten, dass sie niemanden unter Druck setzen, krank zu erscheinen.
Grundlage jeder Bewertung ist eine verlässliche Erfassung der Abwesenheiten. Eine digitale Lösung schafft den nötigen Überblick, um Entwicklungen sachlich zu beurteilen, statt auf Eindrücke zu vertrauen. Die konkrete Ausgestaltung von Bonusmodellen sollte stets im Einzelfall geprüft werden.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (Ndr).