Homeoffice-Angebote erreichen in der Schweiz Rekordwert
15.07.2026 · Quelle: Plattformj
Das Homeoffice-Angebot in Schweizer Stelleninseraten erreicht einen Rekordwert: Der Anteil der Anzeigen mit Remote-Option ist seit Jahresbeginn um 12,7 Prozent gestiegen – das stärkste Wachstum in Europa, mit dem die Schweiz erstmals sogar Deutschland überholt.
Eine Auswertung des Stellenportals Indeed belegt, dass das Homeoffice in Schweizer Stellenanzeigen einen neuen Höchststand erreicht hat. Seit Jahresbeginn ist der Anteil der Inserate, die eine Remote-Option ausweisen, um 12,7 Prozent gestiegen. Das ist das stärkste Wachstum in ganz Europa. Konkret bietet inzwischen fast jede siebte Ausschreibung die Möglichkeit, zumindest teilweise ortsunabhängig zu arbeiten. Für den Schweizer Arbeitsmarkt ist das ein deutliches Signal, dass flexible Arbeitsformen fest etabliert sind.
Die Zahl gewinnt an Gewicht, wenn man den historischen Rahmen betrachtet. Es handelt sich um den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen Anfang 2019. Das während der Pandemie massiv ausgeweitete Homeoffice hat sich also nicht nur gehalten, sondern im Stellenmarkt sogar weiter ausgebreitet. Die vielfach geäusserte Erwartung, nach dem Ende der pandemiebedingten Ausnahmesituation werde eine breite Rückkehr an die Büroarbeitsplätze einsetzen, findet in den Inseraten keine Bestätigung. Im Gegenteil: Das Angebot ortsunabhängiger Arbeit wächst weiter.
Im internationalen Vergleich sticht die Schweizer Entwicklung besonders hervor. Erstmals liegt die Schweiz beim Homeoffice-Anteil in Stelleninseraten vor Deutschland, das traditionell als Vorreiter flexibler Arbeit galt. Während die Schweiz um 12,7 Prozent zulegte, entwickelten sich mehrere andere europäische Länder in die Gegenrichtung. In Deutschland sank der Anteil um 1,5 Prozent, in Grossbritannien um 4,3, in den Niederlanden um 5,1 und in Schweden sogar um 13,5 Prozent. Nur wenige Länder verzeichneten überhaupt ein Plus, allen voran Belgien mit 7,4 und Italien mit 6,1 Prozent. Die Schweiz steht mit ihrem Zuwachs damit an der europäischen Spitze.
Getragen wird der Boom vor allem von Büro- und Verwaltungsberufen. In diesen Tätigkeitsfeldern findet die Arbeit überwiegend am Computer statt, weshalb sich ortsunabhängiges Arbeiten organisatorisch gut umsetzen lässt. In Branchen, die physische Präsenz erfordern – etwa Gastronomie, Gesundheitswesen, Detailhandel, Baugewerbe oder Produktion –, bleibt Homeoffice naturgemäss die Ausnahme. Der Zuwachs verteilt sich somit sehr ungleich über die Wirtschaft und verstärkt tendenziell die Unterschiede zwischen präsenzgebundenen und bürobasierten Tätigkeiten.
Für eine korrekte Einordnung ist entscheidend, was die Statistik misst und was nicht. Die Zahlen beziehen sich auf das Angebot in Stellenanzeigen, nicht auf den Anteil der Beschäftigten, die tatsächlich im Homeoffice arbeiten. Ein Inserat mit Remote-Option sagt nichts darüber aus, wie oft die betreffende Stelle am Ende von zu Hause ausgeübt wird. In der Praxis handelt es sich meist um hybride Modelle, bei denen einige Tage pro Woche im Büro und andere im Homeoffice verbracht werden. Die reine Vollzeit-Fernarbeit bleibt die Ausnahme. Dennoch ist der Trend aussagekräftig, weil er zeigt, wie Arbeitgeber ihre Stellen positionieren.
Der eigentliche Treiber hinter der Entwicklung ist der Wettbewerb um Fachkräfte. In einem angespannten Arbeitsmarkt mit knappem Angebot an qualifiziertem Personal nutzen Arbeitgeber Homeoffice gezielt als Argument, um attraktiv zu bleiben und sich von Mitbewerbern abzuheben. Flexibilität beim Arbeitsort ist für viele Bewerberinnen und Bewerber zu einem zentralen Kriterium geworden, das bei der Stellenwahl mitentscheidet. Wer diese Option nicht anbietet, riskiert, im Rennen um Talente zurückzufallen. Homeoffice wandelt sich damit vom Zugeständnis zum strategischen Instrument der Personalgewinnung.
Für Unternehmen bringt der dauerhafte Trend zu verteiltem Arbeiten organisatorische und rechtliche Aufgaben mit sich. Zu klären sind Fragen des Arbeitsorts, der Erreichbarkeit, der Bereitstellung und Entschädigung von Arbeitsmitteln sowie des Spesenersatzes. Rechtlich besonders relevant ist, dass die arbeitsgesetzlichen Pflichten rund um Arbeits- und Ruhezeiten auch im Homeoffice uneingeschränkt gelten. Die Verlagerung der Arbeit ins Private entbindet den Arbeitgeber nicht von seiner Verantwortung für die Einhaltung der Höchstarbeitszeiten, der Pausen- und Ruhezeitregeln und des Gesundheitsschutzes. Gerade weil die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zu Hause verschwimmt, braucht es klare Regeln und eine nachvollziehbare Dokumentation.
Unter dem Strich belegt die Auswertung, dass Homeoffice in der Schweiz kein Auslaufmodell der Pandemiejahre ist, sondern ein fester und wachsender Bestandteil des Arbeitsmarkts. Der Rekordwert im Stellenangebot zeigt, dass Arbeitgeber die Flexibilität als Wettbewerbsvorteil begriffen haben. Die Herausforderung für die kommenden Jahre liegt weniger in der Frage, ob Homeoffice angeboten wird, als darin, es rechtssicher, fair und produktiv zu organisieren.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (Plattformj).