Krankenstand im ersten Halbjahr 2026 leicht gesunken
20.07.2026 · Quelle: Dak
Zum ersten Mal seit vielen Jahren meldet die DAK-Gesundheit einen – wenn auch geringen – Rückgang des Krankenstands. Die Halbjahresbilanz 2026 zeigt aber weniger eine Entspannung als eine strukturelle Verschiebung der Fehltage, bei der psychische Erkrankungen erstmals an die Spitze rücken.
Die DAK-Gesundheit hat ihre Krankenstandsanalyse für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Danach lag der Krankenstand bundesweit bei 5,3 Prozent. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem 5,4 Prozent erreicht worden waren, bedeutet das einen Rückgang um 0,1 Prozentpunkte. Diese Zahl klingt klein, ist aber bemerkenswert, weil der Krankenstand in Deutschland über Jahre hinweg gestiegen war und zuletzt auf hohem Niveau verharrte.
Die Datengrundlage ist breit: Das IGES Institut hat für die Auswertung die anonymisierten Abrechnungsdaten von rund 2,2 Millionen erwerbstätigen Versicherten der DAK-Gesundheit ausgewertet. Umgerechnet auf einen durchschnittlichen Arbeitstag bedeutet ein Krankenstand von 5,3 Prozent, dass etwa 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben waren. Für größere Belegschaften summiert sich das zu einem erheblichen, dauerhaften Ausfallvolumen, das Personalplanung und Vertretungsregelungen laufend beansprucht.
Der Rückgang des Gesamtwerts speist sich fast ausschließlich aus einer Entwicklung: Die Fehltage wegen Atemwegserkrankungen sind im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 21 Prozent gesunken. Erkältungen, grippale Infekte und ähnliche akute Erkrankungen haben also deutlich weniger Krankschreibungen ausgelöst. Da diese Diagnosegruppe traditionell für einen großen Teil der kurzzeitigen Fehlzeiten verantwortlich ist, wirkt sich ihr Rückgang stark auf den Durchschnittswert aus.
Die eigentliche Nachricht der Analyse liegt jedoch in einer Verschiebung an der Spitze der Fehlzeitenursachen. Die Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen nahmen um neun Prozent zu. Damit sind psychische Diagnosen – darunter Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen – erstmals der häufigste Grund für Fehltage überhaupt. Sie haben die Atemwegserkrankungen vom ersten Rang verdrängt, die nun auf den zweiten Platz zurückfallen. Auf dem dritten Platz folgen die Muskel-Skelett-Erkrankungen, zu denen vor allem Rückenleiden zählen.
Diese Rangfolge hat praktische Bedeutung, weil die Diagnosegruppen sehr unterschiedliche Verlaufsmuster haben. Atemwegsinfekte führen in der Regel zu kurzen Fehlzeiten von wenigen Tagen. Psychische Erkrankungen dagegen gehen typischerweise mit langen Ausfallzeiten einher, oft über mehrere Wochen oder Monate. Dass gerade diese Gruppe zunimmt, bedeutet für Betriebe tendenziell weniger, aber längere und planungsintensivere Ausfälle – mit entsprechenden Folgen für Entgeltfortzahlung, Krankengeldübergänge und Wiedereingliederung.
Deutliche Unterschiede ergeben sich beim Blick auf die Altersgruppen. Bei den Beschäftigten unter 55 Jahren ging der Krankenstand insgesamt zurück. Besonders stark fiel der Rückgang bei den jüngeren Gruppen aus: Bei den 15- bis 19-Jährigen und den 20- bis 24-Jährigen sank der Krankenstand jeweils um 0,3 Prozentpunkte. Bei den über 60-Jährigen entwickelte sich der Wert gegenläufig und stieg um 0,3 Prozentpunkte. Hier schlagen längere und schwerere Krankheitsverläufe zu Buche, wie sie im höheren Erwerbsalter häufiger auftreten.
Konsistent dazu ist die durchschnittliche Dauer einer einzelnen Krankschreibung leicht gestiegen – von 9,5 Tagen im ersten Halbjahr 2025 auf 9,7 Tage. Auch das deutet darauf hin, dass der Rückgang der kurzen Infekte den Durchschnitt drückt, während die längeren Fälle an Gewicht gewinnen. Für die betriebliche Praxis ist weniger der Durchschnittswert entscheidend als die Verteilung: Eine wachsende Zahl langer Ausfälle belastet kleine Teams überproportional.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm ordnete die Ergebnisse ein. Den leichten Rückgang beim Krankenstand bezeichnete er als erfreulich. Zugleich machte er deutlich, dass er den vordringlichen Handlungsbedarf bei den Langzeiterkrankungen sieht, die für einen großen Teil der Fehltage verantwortlich sind. In diesem Zusammenhang begrüßte er die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken angekündigte Präventionsoffensive sowie die geplante Teilkrankschreibung. Letztere soll es ermöglichen, dass Beschäftigte nach längerer Krankheit zunächst stundenweise oder in reduziertem Umfang zurückkehren, statt zwischen vollständiger Arbeitsunfähigkeit und voller Belastung wählen zu müssen.
Bei der Interpretation ist zu berücksichtigen, dass die Analyse ausschließlich auf Versicherten der DAK-Gesundheit beruht. Die Versichertenstruktur jeder Kasse unterscheidet sich, weshalb die absoluten Werte nicht ohne Weiteres auf die gesamte Erwerbsbevölkerung übertragbar sind. Andere Kassen weisen für dasselbe Halbjahr teils abweichende, aber tendenziell ähnliche Werte aus. Als Frühindikator für die Richtung der Fehlzeitenentwicklung im Gesamtjahr sind die Halbjahreszahlen dennoch aussagekräftig – und sie signalisieren für 2026 erstmals seit Längerem keine weitere Zunahme, sondern eine Stabilisierung bei gleichzeitig veränderter Krankheitsstruktur.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (Dak).