"Mein Rekord waren 119 Stunden": Assistenzärztin zur Arbeitszeit-Debatte
02.07.2025 · Quelle: T-online
Extreme Arbeitszeiten in einzelnen Berufen rücken die Frage in den Mittelpunkt, ob sich Mehrarbeit für Beschäftigte und Betriebe wirklich auszahlt. Hinter der Debatte steht mehr als ein Verteilungsstreit: Es geht um Gesundheit, Produktivität und die Frage, wie verlässlich Arbeitszeit überhaupt erfasst wird.
Wenn von Rekordschichten die Rede ist, klingt das zunächst nach Engagement und Belastbarkeit. In der Praxis verbergen sich dahinter jedoch oft strukturelle Probleme: dünne Personaldecken, schwankende Auftragslagen oder Abläufe, die ohne ständige Überstunden gar nicht funktionieren würden. Für Arbeitgeber ist das ein Warnsignal, denn dauerhaft überlastete Teams sind selten dauerhaft leistungsfähig.
Mehrarbeit kann sich kurzfristig lohnen, etwa um Spitzen abzufedern oder Projekte fristgerecht abzuschließen. Langfristig kehrt sich der Effekt häufig um. Konzentration und Sorgfalt lassen mit zunehmender Stundenzahl nach, Fehler und Nacharbeit steigen, und das Risiko gesundheitsbedingter Ausfälle wächst. Was als Produktivitätsgewinn beginnt, kann am Ende mehr kosten, als es einbringt.
Voraussetzung für eine ehrliche Bewertung ist eine saubere Datengrundlage. Nur wer Arbeitszeiten lückenlos und nachvollziehbar erfasst, erkennt überhaupt, wo Überstunden entstehen, wie sie sich verteilen und ob sie ein Einzelfall oder Dauerzustand sind. Bauchgefühl und Erinnerung reichen dafür nicht aus, gerade wenn Teams größer werden oder an verschiedenen Orten arbeiten.
Für kleinere und mittlere Betriebe ist das eine Chance. Eine verlässliche Zeiterfassung schafft die Basis, um Personalbedarf realistisch zu planen, Belastungen früh zu erkennen und Mehrarbeit gezielt statt dauerhaft einzusetzen. So wird aus einer reinen Dokumentationspflicht ein Steuerungsinstrument, das Beschäftigte schützt und den Betrieb stabilisiert.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (T-online).