Misstrauen als Gesundheitsrisiko: Experten kritisieren Debatten über Krankenstand und Arbeitszeiten | MDR.DE
01.06.2025 · Quelle: Mdr
Die Debatte über hohe Krankenstände wird oft mit dem Verdacht geführt, Beschäftigte würden zu leicht fehlen. Fachleute warnen vor dieser Sichtweise: Wer Mitarbeitenden pauschal Misstrauen entgegenbringt, riskiert, dass die Gesundheit im Betrieb eher leidet als sich verbessert.
Krankheitsbedingte Fehltage sind ein vielschichtiges Phänomen. Sie hängen von Faktoren wie Altersstruktur, Branche, körperlicher Belastung und der jeweiligen Infektsaison ab. Eine einzelne Kennzahl sagt deshalb wenig darüber aus, ob in einem Unternehmen ein echtes Problem besteht oder ob sich lediglich allgemeine gesundheitliche Entwicklungen abbilden.
Problematisch wird es, wenn aus einer hohen Quote vorschnell ein Vorwurf wird. Ein Klima des Misstrauens, in dem sich Beschäftigte beobachtet und unter Generalverdacht gestellt fühlen, kann zusätzlichen Stress erzeugen. Stress wiederum gilt als ein Treiber gesundheitlicher Beschwerden. Damit entsteht im schlimmsten Fall genau das, was eigentlich verhindert werden sollte.
Ein weiterer Effekt ist der sogenannte Präsentismus: Beschäftigte schleppen sich krank zur Arbeit, weil sie Konsequenzen oder Misstrauen fürchten. Das verlängert Krankheitsverläufe, senkt die Leistungsfähigkeit und kann ansteckende Erkrankungen im Team verbreiten. Anwesenheit um jeden Preis ist deshalb selten im Interesse des Betriebs.
Sinnvoller ist ein sachlicher Umgang mit Fehlzeiten. Wer die tatsächlichen Ursachen analysiert, Belastungen reduziert und auf Vertrauen statt Kontrolle setzt, schafft die Grundlage für eine stabile Gesundheit. Eine verlässliche Erfassung von Abwesenheiten hilft dabei, Muster zu erkennen, ohne den einzelnen Menschen unter Verdacht zu stellen.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (Mdr).