Senkt Krankschreibung per Telefon die Hemmschwelle?
11.12.2024 · Quelle: Tagesschau
Die Möglichkeit, sich unter bestimmten Voraussetzungen telefonisch krankschreiben zu lassen, wird immer wieder als Ursache für einen hohen Krankenstand genannt. Ob sie tatsächlich die Hemmschwelle senkt, ist jedoch keineswegs ausgemacht. Für Arbeitgeber lohnt der nüchterne Blick auf die Zusammenhänge, statt einen einzelnen Faktor zum Sündenbock zu machen.
Die telefonische Krankschreibung wurde eingeführt, um den Weg in die Praxis bei leichteren Erkrankungen zu erleichtern und Ansteckungen im Wartezimmer zu vermeiden. Sie ist an Bedingungen geknüpft und ersetzt nicht die ärztliche Einschätzung. Wer krank ist, bleibt krank, unabhängig davon, ob die Bescheinigung in der Praxis oder per Telefon ausgestellt wird.
Der Krankenstand wird von vielen Faktoren beeinflusst. Saisonale Infektionswellen, die Altersstruktur der Belegschaft, die Art der Tätigkeit und die Belastung am Arbeitsplatz spielen eine Rolle. Auch die psychische Beanspruchung und das Betriebsklima wirken sich aus. Einen einzelnen Auslöser verantwortlich zu machen, greift daher meist zu kurz.
Aus Arbeitgebersicht ist entscheidend, wie verlässlich Fehlzeiten erfasst und ausgewertet werden. Wer regelmäßig auf belastbare Zahlen blickt, erkennt Muster, etwa Häufungen in bestimmten Bereichen oder Zeiträumen. Diese Erkenntnisse helfen mehr als Spekulationen über einzelne Meldewege und ermöglichen gezielte Maßnahmen statt pauschaler Verdächtigungen.
Praktisch sinnvoll ist es, klare Regeln für die Krankmeldung zu kommunizieren und den Prozess für beide Seiten einfach zu gestalten. Eine strukturierte Erfassung von Krankmeldungen und der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sorgt dafür, dass Fehlzeiten korrekt dokumentiert sind. So entsteht eine sachliche Grundlage, auf der sich der Krankenstand beobachten und einordnen lässt.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (Tagesschau).