Statistik Austria: Rückgang bei Krankenstandstagen
13.08.2026 · Quelle: Orf
Die Statistik Austria hat neue Zahlen zum Krankenstand vorgelegt: Ein einzelner Krankenstand dauerte 2025 im Schnitt 9,1 Tage und damit so kurz wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1965. Bei den Fehltagen pro erwerbstätiger Person fällt der Trend allerdings weniger eindeutig aus – ein Befund, der für Personalbüros mehr bedeutet als eine reine Erfolgsmeldung.
Im Zentrum der Veröffentlichung steht die durchschnittliche Dauer eines Krankenstands. Sie sank 2025 auf 9,1 Tage, nach 9,2 Tagen im Jahr 2024 und 9,4 Tagen im Jahr 2023. Der langfristige Vergleich macht die Dimension sichtbar: 1965, im ersten statistisch erfassten Jahr, dauerte ein Krankenstand im Mittel noch 18,6 Tage. Innerhalb von rund sechs Jahrzehnten hat sich die typische Dauer eines einzelnen Krankheitsfalls also etwa halbiert.
Hinter diesem Rückgang stehen strukturelle Veränderungen in Wirtschaft und Gesundheitswesen. Schwere körperliche Tätigkeiten mit langen Ausheilungszeiten sind seltener geworden, Dienstleistungsberufe haben an Gewicht gewonnen. Gleichzeitig werden viele akute Erkrankungen heute ambulant und rascher behandelt, und die Rückkehr an den Arbeitsplatz erfolgt früher. Der hohe Anteil kurzer Krankenstände drückt den Durchschnittswert zusätzlich.
Deutlich differenzierter ist die zweite Kennzahl zu lesen, die die Statistik Austria ausweist: die Krankenstandstage je erwerbstätiger Person. Sie lag 2025 bei durchschnittlich 14,7 Tagen, nach 15,1 Tagen im Jahr 2024. Zum Vergleich: Der niedrigste je gemessene Wert dieser Reihe betrug rund 12 Tage und wurde 2006 erreicht. Während die Falldauer also einen klaren Abwärtstrend zeigt, bewegt sich die Zahl der Fehltage pro Kopf zwar nach unten, bleibt aber spürbar über dem historischen Tiefstwert. Der Trend fällt hier – so die Behörde – weniger eindeutig aus.
Diese Spannung zwischen den beiden Messgrößen ist der eigentlich lehrreiche Teil der Statistik. Dass jeder einzelne Krankenstand im Schnitt kürzer wird, heißt nicht zwangsläufig, dass Beschäftigte insgesamt weniger fehlen. Rechnerisch kann die Summe der Fehltage pro Person sogar stabil bleiben oder nur langsam sinken, wenn sich die Menschen zwar seltener lange, dafür aber häufiger kurz krankmelden. Für die betriebliche Realität ist genau diese Verteilung entscheidend.
Für Personalverantwortliche ergeben sich daraus praktische Konsequenzen. Viele kurze, über das Jahr verstreute Ausfälle sind in der Dienst- und Schichtplanung oft schwerer aufzufangen als wenige, planbare längere Abwesenheiten. Sie erfordern flexible Vertretungsregelungen, belastbare Zeitkonten und eine vorausschauende Personalbemessung. Wer nur auf die sinkende Falldauer blickt, übersieht möglicherweise genau jene Ausfallmuster, die den Arbeitsalltag am stärksten stören.
Auch für die arbeitsrechtliche und lohntechnische Seite ist die genaue Betrachtung wichtig. Die Entgeltfortzahlung im Krankenstand richtet sich in Österreich unter anderem nach der Dauer des Dienstverhältnisses und kann sich bei mehreren Krankenständen innerhalb eines Arbeitsjahres aufsummieren. Betriebe, die ihre Fehlzeiten sauber dokumentieren, behalten hier den Überblick und vermeiden Fehler bei der Lohnverrechnung.
Schließlich liefern die Zahlen einen sachlichen Beitrag zur laufenden Debatte über Krankenstände. Diskussionen über Höhe, Entwicklung und mögliche Reformen werden oft emotional geführt. Die Statistik Austria zeigt, dass es keine einfache Gesamtaussage gibt: Die eine Kennzahl sinkt klar, die andere nur gedämpft. Eine seriöse Argumentation sollte daher immer offenlegen, von welcher Größe gerade die Rede ist – von der Dauer pro Fall oder von den Fehltagen pro Kopf.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (Orf).