Steigender Krankenstand in Deutschland: Verschafft die Wiedereinführung eines Karenztages Abhilfe?
21.01.2025 · Quelle: Tagesspiegel
Angesichts steigender Krankenstände wird immer wieder über einen sogenannten Karenztag diskutiert, also einen ersten Krankheitstag ohne Lohnfortzahlung. Befürworter erhoffen sich eine Entlastung der Betriebe, Kritiker warnen vor sozialen Härten und kranken Beschäftigten am Arbeitsplatz. Für Unternehmen lohnt der nüchterne Blick auf Wirkung und Nebenwirkungen.
Die Idee hinter einem Karenztag ist, einen finanziellen Anreiz zu setzen, der sehr kurze Krankmeldungen zurückhält. Wer wüsste, dass der erste Tag unbezahlt bleibt, würde sich, so die Annahme, im Zweifel anders entscheiden. Ob ein solcher Effekt in der Praxis eintritt, ist allerdings umstritten.
Kritiker geben zu bedenken, dass ein Karenztag tatsächlich erkrankte Menschen treffen würde, die ohnehin keine Wahl haben. Zudem könnte er dazu führen, dass Beschäftigte krank zur Arbeit kommen, um den Lohnausfall zu vermeiden. Das verschleppt Krankheiten und erhöht die Ansteckungsgefahr im Team.
Für Betriebe ist außerdem fraglich, ob die erhoffte Entlastung eintritt. Verschleppte Erkrankungen können zu längeren Ausfällen führen, die teurer sind als kurze. Eine einfache Rechnung greift daher zu kurz; die Folgen sind vielschichtig und hängen stark von der jeweiligen Belegschaft ab.
Unabhängig von der politischen Debatte können Betriebe selbst etwas tun. Eine gute Erfassung von Fehlzeiten hilft, Entwicklungen früh zu erkennen, Ursachen zu verstehen und gezielt mit Prävention und fairer Organisation gegenzusteuern, statt allein auf finanzielle Anreize zu setzen.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (Tagesspiegel).