UBS-Lohnumfrage: Schweizer Löhne steigen 2027 nur leicht
03.11.2026 · Quelle: SRF
Die Schweizer Löhne werden 2027 voraussichtlich nur leicht steigen. Nach der jährlichen UBS-Lohnumfrage planen die Unternehmen im Durchschnitt Erhöhungen von 1,0 Prozent. Weil die Teuerung niedrig bleibt, resultiert daraus ein kleiner realer Zuwachs – mit spürbaren Unterschieden zwischen den Branchen.
Für die Umfrage hat die UBS knapp 400 Schweizer Unternehmen zu ihren Lohnplänen befragt. Das Ergebnis: Für 2027 sind nominale Lohnerhöhungen von durchschnittlich 1,0 Prozent vorgesehen. Die Löhne steigen damit nur leicht, obwohl sich die Konjunkturaussichten insgesamt verbessert haben. Die erwartete Inflation liegt bei 0,8 Prozent, sodass nach Abzug der Teuerung ein realer Zuwachs von lediglich 0,2 Prozent verbleibt.
Die tiefen Inflationserwartungen dämpfen den Lohnanstieg kaum, wirken aber auch nicht stark nach oben. UBS-Ökonomin Meret Mügeli führt die zurückhaltende Entwicklung auf zwei Faktoren zurück: die niedrigen Inflationserwartungen und die vorsichtige Personalplanung der Unternehmen. Bemerkenswert ist, dass die Zuversicht in allen Sektoren zugenommen hat, der Arbeitsmarktausblick aber verhalten bleibt. Für die Gesamtwirtschaft erwartet die UBS im Jahr 2027 ein Wachstum von 1,5 Prozent.
Die geplanten Lohnerhöhungen fallen je nach Branche unterschiedlich aus. Am oberen Ende der Skala liegen Energie sowie Ver- und Entsorgung mit 1,5 Prozent. Es folgen Chemie, Pharma und Metall mit jeweils 1,2 Prozent. Die Mehrheit der Branchen plant mit 1,0 Prozent. Der Detailhandel bleibt mit 0,8 Prozent darunter, und die Uhren- und Schmuckbranche bildet mit 0,7 Prozent das untere Ende.
Diese Bandbreite verdeutlicht, dass die Lohnentwicklung in der Schweiz stark von der wirtschaftlichen Lage der jeweiligen Branche abhängt. Exportorientierte oder margenschwächere Bereiche wie die Uhrenindustrie halten sich zurück, während versorgungsnahe und forschungsintensive Branchen etwas grosszügiger planen. Branchenübergreifende Durchschnittswerte sagen daher wenig über die Situation im einzelnen Unternehmen aus.
Für Unternehmen und Lohnbüros bedeutet die Umfrage vor allem, dass die Spielräume für Lohnerhöhungen eng bleiben und reale Kaufkraftgewinne gering ausfallen. Die Planung, welche Mittel für kollektive und individuelle Anpassungen zur Verfügung stehen und wie sie fair auf die Belegschaft verteilt werden, gewinnt damit an Bedeutung.
Hinzu kommt die Erwartungshaltung der Beschäftigten. Nach mehreren Jahren mit gestiegenen Lebenshaltungskosten liegen die Lohnwünsche vielfach höher als das, was die Unternehmen zu zahlen bereit sind. Eine transparente Kommunikation darüber, wie Erhöhungen zustande kommen und nach welchen Kriterien sie verteilt werden, kann Enttäuschungen vorbeugen.
Für die Praxis heisst das: Wer Lohnrunden sauber vorbereitet, braucht eine belastbare Datengrundlage. Nur wenn geleistete Arbeitszeit, Funktion, Mehrarbeit und bisherige Vergütung nachvollziehbar vorliegen, lassen sich Erhöhungen fair bemessen, budgetieren und gegenüber Geschäftsleitung wie Belegschaft begründen. Darüber hinaus lohnt sich ein Blick über den reinen Grundlohn hinaus. Wenn die nominalen Erhöhungen so knapp ausfallen, rücken andere Vergütungsbestandteile stärker in den Vordergrund: Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit, die Behandlung von Überstunden, Zeitguthaben auf Gleitzeit- und Jahresarbeitszeitkonten sowie geldwerte Vorteile. Für Beschäftigte, deren Reallohn kaum steigt, kann die faire und nachvollziehbare Handhabung dieser Bestandteile einen spürbaren Unterschied machen; für Arbeitgeber sind sie ein Hebel, um attraktiv zu bleiben, ohne die Lohnsumme übermäßig auszuweiten. Voraussetzung dafür ist in beiden Fällen eine verlässliche Erfassung der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit: Nur wenn Stunden, Zuschläge und Zeitguthaben korrekt und transparent abgebildet sind, lassen sich die ohnehin engen Spielräume gezielt einsetzen und Konflikte über die Vergütung vermeiden. Die UBS-Umfrage ist damit nicht nur eine Prognose zur Lohnhöhe, sondern auch ein Anlass, die eigenen Prozesse rund um Arbeitszeit und Vergütung auf den Prüfstand zu stellen. Je enger die Lohnspielräume, desto mehr zahlt sich eine saubere, nachvollziehbare Zeitwirtschaft aus – sie verhindert Fehler bei der Abrechnung, schafft Transparenz gegenüber den Beschäftigten und macht den Wert der geleisteten Arbeit über den Grundlohn hinaus sichtbar. Für Lohnbüros und Personalverantwortliche ist das ein überzeugendes Argument, Zeiterfassung und Lohnabrechnung eng zu verzahnen, statt beide Welten getrennt und fehleranfällig nebeneinander zu führen.
Redaktioneller Überblick in eigenen Worten, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die amtliche Quelle (SRF).